• K. Werner

180° Meer - Sommerlektüre #3

Die Magie des Meeres lernte ich kennen als ich 15 war. Für Juliane - kurz Jules - ist es ein Ruhepol. Nicht das Meer an einem sonnigen Tag, sondern das aufgewühlte Meer. Die graue Masse. Ohne Land. Bei Jules läuft momentan so einiges schief in ihrem Leben. Aber: Wer ist Schuld daran? Um diese Frage zu klären reist sie nach Großbritannien. Ins Exil. Ans Meer. 180°.


Sarah Kuttner, die Autorin von "180° Meer" kannte ich bislang eigentlich nur aus dem Fernsehen. Aus längst vergangenen Zeiten als es den TV-Sender VIVA noch gab und YouToube noch in den Kinderschuhen steckte. Dass sie mittlerweile auch Autorin ist und Romane schreibt, war mir bis zu dem Augenblick nicht klar als ich "180° Meer" beim Diskonter fand.


Die Entscheidung es zu lesen fiel relativ schnell. Ansprechender Titel: Check. Cooles Cover: Check. Interessanter Rückentext: Check. Also ab in die Einkaufstasche aus Stoff und später zuhause auf den Nachttisch.


Die Hauptfigur Juliane - kurz: Jules - ist ziemlich kaputt. Steht man ihr zu Beginn der Lesereise noch relativ gleichgültig gegenüber, so schmerzt es das erste Mal, wenn man nach ein paar Seiten entdeckt, dass sie ihren Freund Tim bescheißt. Sie hasst ihren Job, ihr Leben, ihre Mutter, ihren Vater, sich selbst. Die Zeilen, in ungewöhnlich einfacher Sprachmagie gehalten, sind zum Zerreißen gespannt. Soviel Wut ist im Bauch von Jules.


Als Jules Freund Tim, ein notorischer Schleifenbinder, über die Untreue seiner Freundin aufgeklärt wird, muss sie gehe. Jules flieht. Ins Exil. Nach England. Zunächst mal zu ihrem Bruder nach London. So beginnt die Reise von Jules zu sich selbst. Stück für Stück erfahren wir mehr über die Wut, die sich über die Jahre angesammelt hat. Über das ständige angespannt sein. Über das sich selbst nicht mehr spüren können. Über das Verlagen einmal Urlaub von sich selbst zu nehmen. Über die Magie des Meeres.


"180°Meer" ist nicht darauf aus ein Happy End zu präsentieren. Das wäre nicht echt. Der Roman bleibt am echten leben dran. Happy Ends sind im Leben selten. Manchmal ein Glücksfall. Öfter harte Arbeit an sich selbst. Der eigentliche Gewinn für das Selbst ist der Weg, den man bis dorthin zurücklegt.

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