• K. Werner

"Bauer und Bobo" - Eine besondere Freundschaft

Wie aus einer Auseinandersetzung von zwei vollkommen verschiedenen Menschen Freundschaft wurde und ein aufklärerisches Buch über die Lebensmittelproduktion in Österreich erfährst du im aktuellen Blogbeitrag.

Im November 2021 übernahm ich mein Mandat im Nationalrat. Tierschutzsprecherin sollte ich werden. Auf der Heimfahrt vom ersten Plenum (vier lange Tage war es ums Budget gegangen) entdeckte ich am Hauptbahnhof in Wien "Bauer und Bobo" von Florian Klenk.


Klenk sagte mir als Journalist etwas. Natürlich wusste ich auch, dass der Falter immer wieder investigative Berichte zum Thema Lebensmittelproduktion brachte. Auch von der Geschichte mit dem Bauern, dessen Hof durch eine Crowdfunding-Aktion in der Corona-Krise gerettet worden war hatte ich auf Facebook mitbekommen (sorry...Twitter-Userin bin ich noch immer nicht...)....von Klenks "Fehde" mit Austro-Rock'n-Roller Andreas Gabalier hatte ich nichts mitbekommen, weil ich weder dem Fanclub Klenk noch dem Fanclub Gabalier angehöre. "Also gut", dachte ich, "Lesen wir mal rein."


Am Anfang der Geschichte zwischen Florian Klenk und dem "Wutbauern" Christian Bachler steht eine Kuh. Eine Kuh wie oben auf dem Bild. Naja...nicht ganz. Diese Kuh dort oben schaut doch sehr unschuldig aus. Die Kuh im Buch war es nicht: Sie hatte eine deutsche Touristin getötet. Das darauf folgende Gerichtsverfahren hat auch in meinem Heimatbundesland Oberösterreich für Aufsehen gesorgt und vor allem die Almbauern nahmen das Urteil höchst alarmiert auf. Der Bobo Klenk widmete sich diesem Fall und hieß das Urteil gut. Daraufhin verhöhnte der Wutbauer Bachler den Journalisten, der ja vom Leben am Land keine Ahnung hatte.


Nun entspinnt sich die Geschichte dieser beiden ungleichen Männer, die unterschiedlicher vielleicht nicht sein könnten und stellvertretend auch für zwei Pole stehen: Der Bauer Bachler für die v.a. ländlichen, kleinstrukturierten Lebensmittelproduzenten in Österreich. Klenk für die Konsument*innen in den Ballungsräumen. Es ist eine Geschichte der Entfernung des Menschen. Klenk stößt bei seinen Reportagen über die industrialisierte Lebensmittel- und hier v.a. Fleischproduktion in Österreich auf eine Reihe von Verbündeten, die ein ähnliches Schicksal teilen: Waren die Vorgenerationen noch am Land mit Nutztieren aufgewachsen, so fehlte der heutigen Generation der Bezug dazu. Die Kühe, Schweine und Hühner waren von den Wiesen verschwunden. Spezialisierung und Industrialisierung, "optimierte" Haltung und Züchtung traten an ihre Stelle.


Sehr feinfühlig geht Klenk dem System Landwirtschaft, das sich in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert hat, auf die Spur. Am Ende wird klar: Es wird Bauern und Bobos brauchen um dieses System zu ändern. Eine absolute Leseempfehlung.




0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen