• K. Werner

Cornelia Diesenreiter: "Nachhaltig gibt's nicht!"

Provokant, kritisch, ehrlich und kämpferisch. So kann man Cornelia Diesenreiters Auseinandersetzung mit dem Begriff "Nachhaltigkeit" zusammenfassen. Ob ich mit allen ihren Aussagen einverstanden bin erfährst du im heutigen Blogbeitrag.

Es ist September. Für mich immer einer der wichtigsten Monate im Jahr. Unweigerlich ist er für mich immer mit Neuanfängen und sehr viel positiver Energie verbunden. Diesmal möchte ich diesen Monat daher einem wichtigen Thema widmen, das all diese Energie braucht: Nachhaltigkeit.


Wie es der Zufall will kenne ich die Autorin von "Nachhaltig gibt's nicht!" noch aus ihrer Schulzeit am Gymnasium in Steyr. Ihr Bruder Andreas, mit dem sie später "Unverschwendet" gründete, war mein Klassenkollege. Ihre Unternehmensgründung und die Idee dahinter hat mich begeistert. Gerade jetzt im Herbst in der Erntezeit wo sich die Äste mit erntereifem Obst biegen ist die Frage: "Was mit all den Lebensmitteln anfangen?" eine, die uns in jedem Garten begegnet.


Umso größer die Freude darüber, dass sich Conny mutig in den Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung gestürzt hat und mit "Unverschwendet" versucht zumindest einen Teil dieser wertvollen Lebensmittel vor dem Mülleimer zu retten. Als sie dann ihre Erfahrungen in "Nachhaltig gibt's nicht" festhielt war es für mich quasi ein Muss das Buch zu kaufen und zu lesen.


Lesen ist dabei eigentlich untertrieben. Verschlingen trifft es eher. Cornelia Diesenreiter schreibt mir quasi aus der Seele. Sie beschreibt ihre Auseinandersetzung mit dem Begriff "Nachhaltigkeit" und stellt für und wider in gut lesbarer und anschaulicher Weise dar. Sie ist dabei schonungslos ehrlich und authentisch. Beleuchtet das Thema mit Leidenschaft und man merkt, dass ihr Herzblut darin steckt. Sie deckt den einen oder anderen Schwindel der Nachhaltigkeitsindustrie auf. Teilt ihre Gefühle, die auch mal Entmutigung und Schweitern bedeuten bis hin zum für mich schockierenden Faktum, dass wir mit einem Rucksack an CO2-Belastung zur Welt kommen, den wir nie wieder gut machen können. Für mich hat damit der Begriff "Erbsünde" eine neue Bedeutung bekommen. Conny kommt sogar zu dem Urteil "Niemand kann konsequent nachhaltig sein..." (S.130).


Das könnte einen frustrieren und das Handtuch werfen lassen, weil wir sowieso zum Scheitern verurteilt sind. Doch das lässt die Autorin nicht zu. Ihre Botschaft spricht mir aus dem Herzen. Ja wir werden bei dem Versuch nachhaltig zu leben scheitern. Wir werden es nicht perfekt hinbekommen. Aber: Wir wären auch dann gescheitert, wenn wir es nicht einmal versucht hätten.


Also: Lasst es uns probieren. Jeder von uns kann den einen oder anderen Schritt zu mehr Nachhaltigkeit setzen. Keiner von uns wird dabei perfekt sein. Wir werden oft scheitern. Aber wir reichen einander die Hand, stehen auf und versuchen es erneut. Zwei Dinge kommen mir in "Nachhaltig gibt's nicht" jedoch zu kurz, bzw. stimme ich nicht mit der Autorin überein: Zum einen müssen wir unser Bildungssystem mehr in die Pflicht nehmen um "Nachhaltigkeit" in allen seinen Facetten zu thematisieren. Zum anderen bin ich überzeugt davon, dass man sich Nachhaltigkeit auch leisten können muss und Armut kein Schutz vor einem zu großen Fußabdruck ist. Meine Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass genau hier auf Kosten der Lebensmittelqualität in Konsumgüter investiert wird. Für beides reicht es einfach nicht. Und das betrifft nicht nur die unteren Einkommensschichten, sondern auch die Mittelschicht. Hier müssen wir uns definitiv etwas einfallen lassen. Dasselbe betrifft den Faktor Zeit: Wenn ich Zeit habe um von A nach B zu kommen, oder mir selbst ein gutes Essen zuzubereiten, dann kann ich das auch in einer Weise tun, die für die Umwelt weniger belastend ist.


"Nachhaltig gibt's nicht" von Cornelia Diesenreiter bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. Es findet sich darin für jeden ein Anknüpfungspunkt um sich mit "Nachhaltigkeit" auseinanderzusetzen. Das was Leser*innen als angenehm empfinden werden: Conny moralisiert dabei nicht, weil Belehrungen von oben herab nichts bringen. Sie spricht auf Augenhöhe und macht Mut.




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