• K. Werner

"Der Fürst des Parnass" - Eine Erzählung

Aktualisiert: 2. Aug.

Carlos Ruiz Zafón in kleiner Dosis. Eine bittersüße Erzählung und eine Hommage des Autors an seine Heimatstadt und einen der größten spanischen Literaten der Weltgeschichte.

Ich versteh mich ja selbst als gut gebildet...nur Geografie war echt noch nie meine Stärke. Gott sei Dank gibt es den Kinderatlas und Google Maps, sonst wär ich vermutlich verloren... Erst seit ich die Welt bereise (bis ins späte Teenageralter war meine Reiseerfahrung ziemlich auf Österreich beschränkt und auch Interrail habe ich aus diversen Gründen bislang ausgelassen) bleiben Gebirgsteile, Flüsse, Berggipfel, Straßennamen hängen.


Nur um gleich mit Missverständnissen aufzuräumen: Mit den großen Einheiten á la Länder, Hauptstädte, Kontinente, höchste Berge etc. hatte ich nie Probleme...nur mit den feineren Teilen. Ich konnte zwar problemlos die Alpen zuordnen, ich wusste auch wo das Atlasgebirge oder die Rocky Mountains und der Himalaya waren, aber wenn man mich fragt wo genau die Belledonne Gruppe liegt muss ich passen. Ähnlich ging es mir mit dem Parnass - wo zum Teufel liegt das? Ist das ein Berg, eine Landschaft? Die Auflösung: Der Parnass liegt in Griechenland. Am Fuß des Gebirges liegt Delphi (das kennen die meisten). Was ich ebenfalls nicht wusste (ich muss echt wieder mehr Sagen lesen!): Dieses Gebirge soll die Heimat der Musen, also der göttlichen Wesen der Künste sein, weshalb das Gebirge im übertragenen Sinn der Inbegriff der Kunst ist. Der "Fürst des Parnass" ist damit der Fürst der Künste oder im konkreten Fall der Lyrik und Literatur.


Für einen Spanier kann das niemand anderes sein als Miguel de Cervantes - berühmt für seinen gegen Windmühlen kämpfenden Helden "Don Quijote de la Mancha"...ein Held der sich nur als Held träumt, verloren in den Fantastereien seiner Ritterromane. Carlos Ruiz Zafón, der ja leider 2020 einem Krebsleiden erlag, setzte in seiner Erzählung "Der Fürst des Parnass" diesem bedeutenden spanischen Schriftsteller ein literarisches Denkmal. Es verwebt dabei Tatsache und Fiktion und spielt mit den Unsicherheiten der geschichtlichen Überlieferung. Man weiß etwa nicht wo genau Cervantes begraben liegt. Mystisch ist auch die Geschichte, die er zwischen dem Literaten und einer geheimnisvollen Frau entwirft (quasi einer Muse), welche den Hintergrund für die Entstehung des Don Quijote bildet.


Zurück bleibt am Ende nach kurzweiligen 85 Seiten, auf denen sich die Erzählung "Der Fürst des Parnass" entspinnt, ein bittersüßer Geschmack. Das ist zum einen der traurigen Geschichte einer unendlichen Liebe geschuldet, aber zum Teil auch der Tatsache, dass der meisterhafte Erzähler Carlos Ruiz Zafón leider viel zu früh verstorben ist und man sich mehr dieser Werke gewünscht hätte.

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