• K. Werner

"Der Regen bevor er fällt" - Großes Erzählkino

Manche Bücher treffen einen mit einer Wucht, die man nicht erwartet hat. Wie Jonathan Coe das mit "Der Regen bevor er fällt" gelang erfährst du im heutigen Blogbeitrag.

Ein Leben in zwanzig Bildern. Das ist das Konzept hinter dem Roman "Der Regen bevor er fällt" von Jonathan Coe. Momentaufnahmen. Doch wann beginnt die Geschichte eines Lebens? Wieviel erzählen diese Ausschnitte über die Wirklichkeit? Was ist zu sehen, was bleibt verborgen hinter den lächelnden Gesichtern?


Der Roman von Jonathan Coe dreht sich um die Familie von Gill. Genauer gesagt um das Leben und Ableben ihrer Tante Rosamond, einer alleinstehenden alten Frau. Bei der Auflösung ihres Nachlasses soll Gill Imogen, die erblindete Großgroßcousine von Rosamond ausfindig machen. Da sie diese auch nach längerem Suchen nicht findet beginnt sie sich die auf Tonbändern festgehaltene Geschichte ihrer Tante zusammen mit ihren Töchtern anzuhören.


Bild um Bild entsteht so die Geschichte von Beatrix, Rosamunds Cousine, deren Tochter Thea, die wiederum die Mutter von Imogen ist. Es ist eine schonungslose Spurensuche in der Vergangenheit. Die Geschichten hinter den Bildern werden lebendig. Glücksmomente kippen in schockierende Ereignisse und das unaufhaltsame Rad der Zeit schreitet voran. Es ist eine Geschichte von Müttern und Töchtern, von Familien. Von einer Erblast über Generationen. Vor allem ist es eine Geschichte von Müttern und Töchtern, weshalb sie mich vermutlich auch gerade so berührt hat. Was erwarten wir uns als Frauen vom Leben...wissen wir es immer wohin uns das Leben trägt? Wie entscheiden wir, wie leben wir, wenn Pläne nicht so aufgehen wie wir es uns wünschen?


Was macht das Leben lebenswert? Was ist erstrebenswert? Wann sind wir glücklich? Mit welchen Menschen teilen wir dieses Glück? All diese Erwartungen liegen in der Luft - ähnlich wie Regen bevor er fällt. Auch wenn viele Wolken am Himmel sind bleibt doch irgendwo ein Fleckchen blauer Himmer - mein Kind würde sagen "Dort sieht man in die Stratosphäre"... keine Ahnung ob das stimmt...für mich bleibt es der Himmel.


"Der Regen bevor er fällt" ist ein meisterhaft erzähltes Buch. Ein Buch mit ganz viel mehr als einer bloßen Geschichte.

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