• K. Werner

"Ein neues Blau" - Asien trifft Europa in den 1920ern

Hast du dir jemals Gedanken über den Teller gemacht, von dem du jeden Tag isst? Über die Kaffeetasse, aus der du trinkst? Oder die bauchige Teetasse? Ich bislang nicht. Zumindest nicht bis ich "Ein neues Blau" von Tom Saller las. Was der Roman sonst noch mit mir gemacht hat, erfährst du hier.

Die Geschichte von "Ein neues Blau" ist die Geschichte zweier Frauen. Einer Jugendlichen im Jahr 1985 (meinem Geburtsjahr) und einer zu diesem Zeitpunkt älteren Dame, die ihre Jugend in den 1930ern verbracht hatte. Anja und Lili. Was sie verbindet: Die Suche nach dem was sie sind und wer sie sein wollen. Die Suche nach ihren Wurzeln.


Anja ist bei Lili als Gesellschafterin engagiert worden. Lili erzählt ihr über ihr Leben im Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Den frühen Tod der Mutter und den väterlichen Freund Takeshi. Ihren Beschützer, durch den sie die japanische Kultur kennenlernt. Das Schreiben mit Tusche. Die Teezeremonie. Tee. Die Ware, mit der ihr Vater handelt, und der die beiden Männer auch zusammengeführt hat.


Behutsam wie ein Spaziergang in einem winterlichen Park oder eine Teezeremonie offenbart sich die Geschichte von Jakob, Lili, Takeshi und Anja. In einfacher, klarer Sprache entfalten sich die Charaktere und ihre Geschichte, welche die Veränderungen von einem offenen, kreativen, demokratischen Deutschland hin zum Nationalsozialismus erzählt, ohne diesen in den Fokus zu rücken.


Beim Lesen genoss ich die große Ruhe, die sich in mir einstellte als ich Kapitel um Kapitel las. Der Roman wirkte fast wie eine Art Meditation auf mich. Als ich zu den letzten Seiten kam war ich richtig traurig, dass die Geschichte schon zu Ende ging. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung für dieses gelungene Werk. Geeignet für alle, die gerne einmal ein Buch zur Hand nehmen, dessen Tempo etwas ruhiger ist. Einfacher. Ach so: Und nebenbei lernt man in "Ein neues Blau" eine Menge über Keramik :-)


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