• K. Werner

Fred Vargas: "Es geht noch ein Zug vom Gare du Nord"

Von der vielfältigen Krimilandschaft Italiens geht die Reise nun weiter nach Frankreich. Wir starten in Paris mit Fred Vargas "Es geht noch ein Zug vom Gare du Nord" und dem sehr eigenwilligen Ermittler Jean-Baptiste Adamsberg.

Gleich vorweg löse ich ein häufiger vorkommendes Missverständnis auf: Fred Vargas ist kein Mann, sondern eine Frau. Fred Vargas ist ein Künstlername und Fred ist dabei die Abkürzung für Frédérique. Man mag denken: Typisch Franzosen...spielen mit den Geschlechtersteretopyen. Ich meine: Recht so.


Fred Vargas macht uns in ihrem Kriminalroman "Es geht noch ein Zug vom Gare du Nord" mit dem etwas absonderlichen Ermittler Jean-Baptiste Adamsberg bekannt. Literarisch ist er einer der anspruchsvollsten Kriminalromane, die ich auf meiner Krimireise in diesem Sommer gelesen habe. Adamsberg ist kein Kommissar, den man sofort in sein Herz schließt. Die Geschichte mutet einem Gemälde von Picasso an - abstrahierte, verzerrte Gestalten mit vielen Ecken und Kanten, an denen man sich anstoßen kann, die manchmal auch abstoßend sind.


Dunkel erinnert mich Adamsberg an "Schlafes Bruder" von Schneider oder seinen Namensvettern Jean Baptiste Grenouille aus Süßkinds "Das Parfum". Die Sinne von Adamsberg scheinen entrückt, oder ist es die Wahrnehmung? Die Leserin treibt bei den Ermittlungen mit wie der Kollege mit den vielen Kindern. Die Geschichte schreitet irgendwie fort, doch geradewegs unter der Oberfläche. So als ob ein Theaterstück hinter einer Art Schleier aufgeführt wird. Man erkennt Schemen und Handlungen. Ein scharfer Blick auf das Geschehen bleibt jedoch verborgen.


Kurz zur Story: In Paris tauchen nach und nach immer mehr blaue Kreidekreise auf, in deren Mitte ein offenbar willkürlich gewählter Gegenstand liegt. Bis eines Tages in der Mitte eines solchen Kreises eine Leiche gefunden wird. Das Muster scheint kein Muster zu sein. Adamsberg schafft es jedoch den menschlichen Zwang sein inneres Muster nach außen zu kehren, auch wenn man etwas dem Zufall überlassen möchte, schließlich doch sichtbar zu machen und überführt so den Täter.


Zusammenfassend: In Fred Vargas "Es geht noch ein Zug vom Gare du Nord" ist alles ein bisschen kompliziert. Einiges bleibt vage, angerissen, schemenhaft. Für mich das Beispiel eines ernsten Krimis, der zum Lesen Zeit, Ruhe und Konzentration erfordert. Den viel bemühten Vergleich zwischen Fred Vargas' Adamsberg und Donna Leons' Brunetti kann ich nicht teilen. Brunetti ist wesentlich greifbarer und manifester als Adamsberg. Die Charaktere stammen zwar aus den Federn von zwei Frauen, aber das ist in meinen Augen schon die einzige Gemeinsamkeit der beiden.





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