• K. Werner

"Freie Hand für De Luca" - Krimi für den Sommer

Krimis dürfen als Urlaubslektüre natürlich nicht fehlen. Besonders beliebt sind seit einigen Jahren die Krimis italienischer Autoren und Autorinnen. "Freie Hand für De Luca" ist der erste Krimi von Carlo Lucarelli rund um seinen Commissario De Luca. Ob der Krimi lesenswert ist erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Zweieinhalb Wochen noch sind Ferien. Ferien in einem Sommer der anderen Art. Ich weiß. Manche riskieren die Reise nach Italien oder Kroatien. Manche haben keine Verpflichtungen - weder Kind noch Mann, noch kranke Mutter. Für mich ist es aber ok, dass ich diesmal nicht im Ausland Urlaub mache und wir unsere freien Tage mit Ausflügen an die Seen füllen. Umso wichtiger ist aber die richtige Lektüre.


Wenn man sich die letzten Blogbeiträge dieses Jahres genauer ansieht, dann erkennt man, dass ich einen Faible für das Historische habe. Nicht das weit Zurückliegende, sondern vor allem für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts plus die frühe Nachkriegszeit. Jene Zeit in der sich die Welt begann neu zu ordnen. Obwohl: Ordnet sich die Welt nicht ständig neu und ist es nicht ein Narrativ das erzählt wird, um die Illusion zu erstellen, dass die Welt vor 1914 eine gewisse dauernde Ordnung hatte?


Carlo Lucarellis Krimi "Freie Hand für De Luca" spielt gegen Ende dieser für mich so interessanten Zeit. Es sind die letzten Kriegstage und -wochen in Italien 1945. De Luca, so wird im Verlauf der Geschichte klar, ist ein Kriminalkommissar mit Vergangenheit. Dienst im Auftrag der Faschisten. Erst vor kurzer Zeit ist er wieder zurück bei der normalen Polizei und soll nun im Mordfall Vittorio Rehinard, einem Frauenheld mit politischen Hintergründen, ermitteln. Die Tat erscheint als Tat aus Leidenschaft - man hat ihn mithilfe eines Brieföffners getötet. Trotzdem wird der Kommissar zwischen den politischen Fronten aufgerieben. Immer mehr Menschen werden zu Leichen - sie sterben fast wie die Fliegen. Bloß: Wer war es?


Geschickt erzählt Lucarelli die Geschichte von seinem durch Schlafstörungen gepeinigten Kommissar. Gleichzeitig lässt er die Stimmung in Italien gegen Ende des zweiten Weltkrieges spürbar werden. Einer Zeit, in der die Menschen aus unterschiedlichsten Gründen sterben und der Tod alltäglich geworden ist. Egal auf welcher Seite man steht, Gefahr gibt es immer. Für mich haben sich dadurch nachträglich einige Stimmungen erörtert, die Ferrante in ihrer Tetralogie zu erörtern versucht hatte, zu der mir aber bislang der Zugang gefehlt hat, da ich mich mit dem Weltkriegsgeschehen in Italien nur oberflächlich in der Schule beschäftigt hatte.


Meine Erwartungen an den Roman wurden übererfüllt, war ich doch nur mit dem Anspruch einer leichten spannenden Lektüre daran gegangen. Das Buch hat sehr viel mehr Tiefgang. Eine schnelle, unterhaltsame und gleichzeitig bildende Kriminalgeschichte mit einem offenen Ende, die zum Weiterlesen auffordert. Keine Sorge Mörder oder Mörderin werden in "Freie Hand für De Luca" gefasst, aber das Schicksal von De Luca bleibt spannend.



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