• K. Werner

"Geh wohin dein Herz dich trägt"

Vor Elena Ferrante war Susanna Tamaro das Aushängeschild der femininen italienischen Literatur. "Geh wohin dein Herz dich trägt" der sie weltweit berühmt gemacht hat im Review.

Susanna Tamaro und "Geh wohin dein Herz dich trägt" verbinde ich vor allem mit einer Person: Mit meiner ehemaligen Kollegin Renate, mit der ich drei Jahre lang an einer Mittelschule Deutsch unterrichten durfte. Eine richtige Löwin kann ich euch sagen und eine der bemerkenswertesten Frauen, die ich je kennenlernen durfte.


Da ich sie nicht nur mit Susanna Tamaro, sondern auch mit Birra Moretti und Italien verbinde - und Susanna Tamaro ja auch Italienierin ist - lag es nahe mir diese Buch mit in meinen Italienurlaub zu nehmen. Das schöne dabei war, dass es ähnlich wie die Bücher von Elena Ferrante auch diesmal eine Frauengeschichte war, die mich auf meiner Reise in den Süden begleitete.


Wenn am Rückentext steht, dass die Geschichte, die Tamaro in Form von Briefen der Großmutter an die Enkelin schreibt, die Geschichte von drei Generationen (Mutter-Tochter-Enkelin) erzählt, so würde ich dem ein bisschen widersprechen, da in meinen Augen auch die Urgroßmutter eine nicht unwesentliche Rolle spielt, auch wenn sie nur wie ein Schatten in den Erzählungen vorkommt. Genau dieser Schatten ist es, der den Grundhauch der Erzählung prägt. Denn nicht nur sind zum Zeitpunkt der Erzählung die erste Frau in der Ahnanreihe bereits verblasst, nein auch das Bindeglied zwischen Großmutter und Enkelin - die Tochter existiert nicht mehr.


Welches Leid war nun größer? Jenes der Mutter, die die Tochter verlor? Oder jenes der Tochter, die die Mutter verlor? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Trotz der Vergänglichkeit, die uns durch die Veränderungen im Garten (vom Spätherbst zum Winter) begleitet ist das Buch eine Botschaft der Hoffnung und der Liebe. Eine Botschaft, dass selbst auf den wundersamsten Wegen das Glück im Leben auf uns wartet. Dass es kostbar ist. Dass wir es nicht festhalten können. Damit wir es aber überhaupt erfahren können, müssen wir in uns hineinhorchen. Auf unser Herz. Und wenn es dann zu uns spricht müssen wir uns auf den Weg machen und gehen wohin es uns trägt.

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