• K. Werner

Giulia Conti: "Lago Mortale"

Wenn ein Deutsch-Italiener in Nordiatlien ermittelt, erinnert das an einen Schweizer "Tatort". Geschrieben von einer deutschen Journalistin mit italienischem Synonym. Alles nur Marketing?

Meine letzte Reisestation in Italien führt mich von Sizilien wieder zurück in den Norden Italiens. Genauer gesagt an den Lago d'Orta, der westlich vom wesentlich bekannteren Lago Maggiore liegt. Hier besuche ich in "Lago Mortale" von Giulia Conti Simon Strasser.


Der See selbst ist ein kleines Naturwunder. War er in der Nachkriegszeit von den Menschen und der Industrie, die sich rund um ihn angesiedelt hatte und die zum Wirtschaftswunder Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen hatte, fast zerstört worden, so wurde das Klima des Sees durch eine Rettungsaktion mit sehr viel Kalk wiederhergestellt und ist heute einer der saubersten Seen Italiens.


In diesem Spannungsverhältnis Industrie/Natur ist auch der Krimi von Giulia Conti angesiedelt. Das Dreieck wird durch die italienischen Werte komplettiert und in diesem Bermudadreieck stirbt der junge Sohn (das schwarze Schaf) einer Industriellenfamilie. Der Journalist Simon Strasser findet die Leiche auf der Yacht der Familie und wird von der ermittelnden Kommissarin Moretti in die Lösung des Falls einbezogen. Nebenbei kämpft Strasser auch mit seiner Identität: Ist er Italiener oder Deutscher? Bindet er sich an seine Luisa oder findet er die Nachbarin Anna oder gar die Komissarin anziehender? Ein toller Hecht ist er ja. Wie kann er die Beziehung zu seiner lesbischen Ziehtochter wieder verbessern?


Schon nach geraumer Zeit wird dem Leser das Motiv klar, wer der Mörder sein könnte und wie die Zusammenhänge in etwa aussehen. Ein durchaus lesenswerter Krimi, der aber manchmal etwas langatmig wird durch Wiederholungen (z.B. Geschichte des Lago d'Orta, das Gefühlsleben des Kommissars etc.). Etwas unrealistisch finde ich auch, dass Strasser fast permanent Essen geht oder auf einen Kaffee...ich kenne keine Journalist*innen, die so dicke Hosen haben, dass sie sich das tagein, tagaus leisten könnten, v.a. wenn man für ein unabhängiges Blatt nur sporadisch schreibt.


Worauf mich "Lago Mortale" von Giulia Conti (übrigens eine deutsche Journalistin) auf jeden Fall neugierig gemacht hat ist der Lago d'Orta. Er steht ab sofort auf meiner Bucket List...wer weiß...vielleicht lese ich ja im nächsten Sommer nicht nur einen Krimi der dort spielt, sondern vielleicht genieße ich ihn auch direkt am Seeufer.




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