• K. Werner

"Magic Cleaning" - Ein Buch für Neuanfänge

Marie Kondo ist die Aufräumqueen schlechthin. Ihre Bücher sind Bestseller. Aber: Können sie auch was, nämlich helfen? Zum Jahreswechsel hatte ich endlich die Gelegenheit "Magic Cleaning" von Marie Kondo zu lesen und mir ein Bild von ihren Aufräumtipps zu machen. Wie mein Urteil ausfällt erfährst du hier.

Wer kennt das nicht: Man kommt nach Hause, das Bett ist nicht gemacht, der Esstisch quillt mit schmutzigem Geschirr über, man findet das Shirt, das man genau heute anziehen wollte nicht in der Wäsche, das Formular, das man einscannen wollte und gerade eben doch noch gesehen hatte ist weg usw.


Kann Marie Kondo in diesen Situationen helfen? "Magic Cleaning" hört sich nach Zauberei an. Nach einer guten Fee, die mit ihrem Zauberstab wirbelt und plötzlich alles wieder an seinen Platz zaubert. Nach einer bezaubernden Jeannie, die mit einem Kopfnicken alles in Ordnung bringt. Aber leider, leider funktioniert auch "Magic Cleaning" von Marie Kondo nicht so. Die Arbeit bleibt wohl oder übel an uns hängen.


Was mir trotzdem an Marie Kondos Konzept des Magic Cleaning gefällt ist, dass es darum geht Routinen zu etablieren, was nachweislich unser Verhalten ändern kann. Indem wir unser Verhalten ändern (z.B. das schmutzige Geschirr sofort nach dem Essen in den Geschirrspüler räumen) erhalten wir nachhaltig mehr Ordnung, weil wir Unordnung erst gar nicht entstehen lassen. Der zweite Punkt, den ich sehr schätze, ist ihre Botschaft zur Mensch-Ding-Beziehung: Weniger ist mehr! Schätzen wir dafür das, was wir haben mehr!


Ordnung zu schaffen beginnt also zuerst mit dem Aussortieren. Was ist wirklich wichtig? Was benutzen wir? Was hat für uns einen Wert? Was ist überflüssig? Wovon können wir uns guten Gewissens trennen? Mit diesem Loslassen lassen wir auch viele negative Gefühle los - das Kleid, das mir nicht passt...na vielleicht passe ich irgendwann doch wieder hinein....weg damit. Zuviel vielleicht. Zuviel "Ich bin zu dick!". Zuviel Frustration. Einfach weg damit. Indem wir Dinge loslassen und weggeben erhalten wir etwas Wertvolles, nämlich Freiheit.


Womit ich jedoch absolut nicht kann ist Marie Kondos Vorschlag die Dinge einfach wegzuwerfen. Ich denke, dass viele Dinge, auch wenn sie für uns nicht mehr nützlich sind, für andere Menschen sehr wohl einen Nutzen haben können. Kleidung zum Beispiel. Wenn es noch gut erhaltene Teile sind, die nicht schon wie Lumpen vom Körper fallen kann man sie ruhigen Gewissens in die Kliedersammlung geben.* Alte Möbel in den Sozialmarkt. Bücher zum Charity-Flohmarkt usw. Ich hatte durch unseren Umzug in diesem Jahr die Chance mich von vielen Dingen zu befreien und es ist ein herrliches Gefühl! Die Dinge, die ich behalten habe haben einen anderen Wert für mich bekommen. Plötzlich war auch Platz für Neues da. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mit dem Loslassen am Ende wäre. Ganz im Gegenteil. Es ist ein steter Prozess sich bewusst zu machen, welche Gefühle Dinge in einem auslösen und ob es nicht besser wäre sich davon zu trennen.


Was Marie Kondo jedoch nicht ändert (auch wenn sie vorschlägt, dass jeder einen Platz/Raum für sich haben sollte) ist die Tatsache, dass sich alle Familienmitglieder darum bemühen müssen Ordnung zu halten. Das verschweigt sie nämlich in ihrem Buch. Ihre Ordnungsanleitung funktioniert glaube ich super, wenn es ein Singlehaushalt ist. Kommen auf einmal mehr Personen dazu wird es schwierig. Das Bemühen aller Ordnung zu halten ist auch ein Ausdruck der Wertschätzung jener Person gegenüber, die die Hauptlast als "Ordnungshüter" in einem Haushalt trägt.


Was Marie Kondo auch nicht erwähnt ist, dass Ordnung lediglich ein Idealbild darstellt, dem man sich asymptotisch in permanenter Aktion annähert. Mich erinnert das an Physik und den Begriff der Entropie...man arbeitete gegen sie an und trotzdem nimmt sie stetig zu. Der einzige Weg zu mehr Ordnung bleibt daher die Reduktion der Elemente im System.


Wie hält man nun Ordnung? Marie Kondo gibt in ihrem Büchlein "Magic Cleaning" viele wertvolle Tipps für einzelne Bereiche (Küche, Bad, Handtasche, Schreibtisch etc.). Dafür lohnt sich auch die Lektüre, weil auch, wenn man ein Ordnungsfreak ist wie ich, einem dadurch wider Einzelheiten auffallen, die man optimieren und verändern kann (z.B. habe ich gestern nach der Lektüre gleich meine Gewürzlade aufgeräumt). Die zentrale Botschaft, die hinter "Magic Cleaning" steht ist jedoch eine andere: Weniger ausgewählte Dinge bereichern uns mehr als viel Plunder, den wir ansammeln, denn je mehr Dinge wir besitzen, desto mehr Zeit müssen wir darauf verwenden diese Dinge in Ordnung zu halten. Zeit, die wir jedoch besser mit den Menschen und Tätigkeiten verbringen sollten, die wir lieben, denn nur das macht uns wirklich glücklich.


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*Alte Textilien waren früher übrigens sogar einiges Wert, weil daraus Papier gemacht wurde. Es gab dafür den Beruf des Lumpensammlers! Reuse, der heute wieder bei den großen Modeketten in Mode kommt, weil Altklreidung einfach kein Müll, sondern eine Ressource ist.

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