• K. Werner

Raynor Winn: "Der Salzpfad"

Was passieren kann, wenn alles, was man besitzt, in einen Rucksack passt...

Manche Bücher sucht man sich nicht selber aus, sondern sie suchen dich aus. So ist es mir mit "Der Salzpfad" von Raynor Winn gegangen. Das Cover ist mir ins Auge gestochen, weil es mich an die Lynolschnittechnik erinnerte, die wir in der Schule im Kunstunterricht angewendet hatten: Ein steiler Pfad, die Wellen, das Meer, ein Leuchtturm, ein Delfin und Vögel, die mich an Schwalben erinnern. Erst wenn man genauer hinschaut sieht man am rechten oberen Rand zwei Figuren auf dem Weg.


Vom "Salzpfad" hatte ich schon vorher einmal gehört. Der South West Coast Path ist über 1000 Kilometer lang. Geht man ihn bewältigt man insgesamt über 35000 Höhenmeter. Früher war dieser Weg von Mindehead bis Poole dazu da um Shmuggler zu entdecken. Heute ist es einer der bekanntesten Weitwanderwege weltweit. Weitwandern. Eine Sehnsucht von mir. Als mir auf dem Heimweg von einer Wahlveranstaltung Anfang September 2021 das Buch "Der Salzweg" auf dem Bahnhof in Linz in die Hände fiel konnte ich daher einfach nicht widerstehen.


Raynor Winn erzählt in ihrem Buch die wahre Geschichte von sich selbst und Moth, ihrem Ehemann. Sie sind um die 50 als das Leben sie dazu zwingt neue Wege einzuschlagen: Durch ein falsches Investment verlieren sie alles - selbst das Dach über den Kopf und müssen neu anfangen. Die Frage ist nur wo und wie, v. a. weil Moth zudem noch die Diagnose einer unheilbaren Krankheit bekommt. Durch Zufall (oder Schicksal?) kommen sie auf die Idee den South West Coast Path zu gehen. Ihrem Alter zum Trotz. Ihren finanziellen Mitteln zum Trotz. Ihrem Gesundheitszustand zum Trotz.


Raynor Winn erzählt über jede Etappe. Über die Schwierigkeiten und Hindernisse und darüber wie der Weg nach und nach ihr Zuhause wird. Über die Zweifel, Ängste und den Hunger, der sie oft quälte. Man lebt jeden Schritt der beiden mit. Jeden Schritt in Richtung Zukunft. Jeden Schritt in Richtung Hoffnung. Genau das wünsche ich allen Menschen und das ist es, was für mich den "Salzpfad" zu einer Leseempfehlung macht: Nicht alle Entscheidungen, die wir treffen sind gut. Wir müssen lernen auch die weniger guten in unserem Leben zu akzeptieren; lernen, dass man die Vergangenheit nicht ändern kann, aber dass es an uns liegt neue Entscheidungen zu treffen. In der Hoffnung und der Zuversicht, dass es gute sein werden und wir so in unserem Leben alles erreichen können, was wir uns wünschen. Raynor Winn's Roman "Der Salzpfad" bekommt daher neun von zehn abgetragenen Wanderschuhen :-)




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