• K. Werner

"Sommerlügen" - Spätsommer nach Schlink

Bernhard Schlink ist vor allem für seinen Roman "Der Vorleser" bekannt. Dass er aber auch abseits dieses Bestsellers ein meisterlicher Geschichtenerzählung ist, wird mit "Sommerlügen" deutlich.

Der Sommer ist zu Ende - daher auch heute die letzte sommerliche Leseempfehlung. "Sommerlügen" von Bernhard Schlink. Um ehrlich zu sein: Seine Geschichte "Der Vorleser" kenne ich nur vom Film. In Deutsch haben wir dieses Buch nicht gelesen. Ich mache meiner damaligen Lehrerin keinen Vorwurf - vielleicht war es sogar auf einer der Leselisten und ich hab es mir einfach nicht für die freiwillige Lektüre ausgesucht. "Sommerlügen" sind damit die ersten Erzählungen von Schlink, die ich jemals gelesen habe. Auf das Buch bin ich in der Bibliothek gestoßen ohne danach zu suchen. Bereits die erste Erzählung "Nachsaison" fängt jene Stimmung ein, die sich in allen sieben Erzählungen in diesem Band findet. Das Ende des Sommers. Die letzten warmen Tage, vielleicht schon die ersten regnerischen Septemberwochen. Die leichtigkeit des Sommers ist dahin. Was bleibt ist eine Sehnsucht, die ein bisschen Traurigkeit birgt. Eine Trauer um die Unbeschwertheit der Sonnentage. Ein Zurückblicken.


Ähnliches passiert in den sieben Geschichten. Menschen blicken zurück auf ihr Leben, auf das bisher Geschehene, das sie nicht rückgängig machen können. Auf Dinge, die sie lieben oder geglaubt hatten zu lieben. Manche der Geschichten sind verstörend, irreal. Manche schonungslos realistisch, so als ob sie mir, dir oder dem Mann gegenüber im Kaffeehaus passiert sein könnten.


Wer diese Stimmung mag - Sonnenschein mit etwas grau und dunklen Wolken am Himmel - dem eröffnen die "Sommerlügen" von Bernhard Schlink einen Blick auf das eigene Innere. Sie rühren in einem um, wühlen auf. Wem es seelisch nicht gut geht, der sollte lieber die Finger von diesen sehr ehrlichen Geschichten lassen, weil sie die Lebenslügen, die wir uns oft gerne selbst erzählen, schonungslos aufdecken. Wer weiß - vielleicht kann dies aber für den einen oder die andere heilsam sein und hin zu einem neuen Blick auf das eigene Ich leiten, auf die Entscheidungen, die man getroffen hat, oder die man verabsäumt hat.


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