• K. Werner

Es war einmal... - Warum Kinder Märchen brauchen und Erwachsene auch

Nach Weihnachten nahmen wir das Thema "Märchen" in der ersten Klasse der Mittelschule in Angriff. Zu Beginn des Themenblocks stellten wir in beiden Klassen die Frage: Wer von euch hat ein Märchenbuch zuhause. In jeder Klasse zeigten 2-3 Kinder von 20 auf. Uns fiel erst mal die Kinnlade runter. Wir hatten es mit einer entzauberten Kinderschar zu tun! Aber: Warum ist das so schlimm? Warum brauchen Kinder Märchen? Und was hat das mit Erwachsenen zu tun? Erfahre die Antworten auf diese Fragen in meinem heutigen Blogbeitrag!


Märchen sind rein fiktionale Erzählungen, die voll sind von Wundern, Zauber und Magie. Ihre ursprüngliche Form (Volksmärchen) wurden mündlich weitererzählt. Es gibt sie überall auf der Welt, egal ob in Asien, Afrika, Europa oder Amerika. Die deutschen Kinder- und Hausmärchen, die von Jakob und Wilhelm Grimm gesammelt worden waren stellen nur einen Bruchteil des Märchenschatzes des Welt dar, sind aber natürlich im Deutschunterricht die wichtigsten Märchen, mit denen man sich beschäftigt.


Im 19. Jahrhundert begannen dann Autoren Märchen zu erfinden. Sie nennt man heute Kunstmärchen oder moderne Märchen. Auch sie sind wunderschön zu lesen und zu erzählen. Solche und solche Märchen sind heute Stoff vieler Verfilmungen und Serien. Die Kinder an unserer Schule kennen die Märchen auch meistens von dort. Vorgelesen wurden sie ihnen nie. Das Original ist ihnen unbekannt. Sie kennen nur die verzerrte und modernisierte, meist actiongeladene Darstellung dieser Erzählungen.


Warum aber wäre es wichtig, dass Kinder Märchen vorgelesen bekommen und selber lesen? Schon früh (meist beginnend im dritten Lebensjahr) durchleben Kinder die sogenannte magische Phase und legen sich eine magische Logik zurecht um sich die Welt zu erklären. Sie hilft ihnen mit Ängsten, Befürchtungen und Erwartungen umzugehen. Das Vorlesen von Märchen unterstützt dabei die Kinder sich in der Welt zurecht zufinden. Sie regen zudem die Fantasie und Kreativität der Kinder an.


Märchen leisten aber weitaus mehr: Sie geben Orientierung. Zum einen folgen Märchen einem gewissen Schema, Kinder lernen aber auch über den Inhalt viel über die in unserer Gesellschaft etablierte Moral: Was ist gut? Was ist böse? Wie soll ich sein? Faul? Fleißig? Welche Konsequenzen hat das eine oder andere Handeln? Märchen geben auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten: In Mut, Fleiß, Tapferkeit, Nächstenliebe. Märchen machen also Mut. Märchen geben uns aber auch Zuversicht. Etwas, das wir auch als Erwachsene sehr gut brauchen können.


Oft kommt der Einwand: Märchen sind zu brutal und enthemmt. Ja, Märchen sind brutal. Aber Kinder lernen durch sie Abstraktion. Sie wissen, dass die Geschichte, die ihnen erzählt oder vorgelesen wird, nicht echt ist.


Ein Einwand, der ebenfalls häufig angebracht wird sind die in den Märchen tradierten Rollenbilder von Mann und Frau. Ja, hier gebe ich recht. Mit diesen bin auch ich nicht immer einverstanden. Aber es ist eine Art, wie Märchen uns auch nach unserer Kindheit begleiten können, indem wir uns mit diesen Rollenbildern auseinandersetzen und auch Jugendliche oder Erwachsene mit ihnen literarisch spielen lassen. Es kommt auf uns an, was wir daraus machen.


Märchen leben davon erzählt, vorgelesen oder vorgespielt zu werden. Vorlesen gibt uns Erwachsenen die Möglichkeit die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen sinnvoll zu gestalten. Das ist auch eines der Hauptprobleme, weshalb meine Kinder in der Schule kaum Märchen kennen: Die Eltern nehmen sich oder haben schlichtweg keine Zeit ihren Kindern Märchen vorzulesen, egal ob in ihrer Muttersprache oder auf Deutsch. Hier gibt es aber mittlerweile sehr gute Onlineangebote oder Hörbücher als Ersatz.


Damit wünsche ich euch viel Spaß beim Vorlesen, Zuhören und Selberlesen und habe im Anschluss noch einige Buch- und Hörbuchempfehlungen für euch!


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