• K. Werner

Wie Kinder denken lernen

Bildung steht für mich über allem. Ich selbst bilde mich gerne weiter. Als Lehrerin bin ich im Bildungsbereich tätig. Ich setze mich politisch für die beste Bildung für unsere Kinder ein. Auch für meine Tochter sehe ich Bildung als Bedingung dafür an, dass sie einmal ein selbstbestimmtes Leben führen wird können. Grundlage jeglicher Bildung sind die Prozesse in unserem Gehirn. Ob "Wie Kinder denken lernen" hier einen guten oder eher schlechten Einblick bietet erfährst du hier.

Ich denke alle Eltern haben sich irgendwann einmal gefragt wie das denn funktioniert...wie Kinder von so einem hilflosen kleinen Bündel in Windeln zu selbstwussten Personen werden, die egal worauf eine Antwort parat haben. "Wie Kinder denken lernen" versucht hier einige Antworten darauf zu geben. Manfred Spitzer ist ein deutscher Psychiater, der sich an der Uniklinik in Ulm sehr stark mit dem Thema Lernen beschäftigt.


Spitzer ist ein starker Gegner von digitalen Medien im Unterricht. Hier sind wir, zugegebener Maßen, nicht ganz auf einer Linie, da ich digitale Medien (wenn sie richtig eingesetzt werden) durchaus sinnvolle Lerninstrumente sein können. Ich glaube jedoch auch, dass die meisten Lehrer*innen noch weit weg davon sind diese Instrumente auf intelligente und pädagogisch wertvolle Art und Weise zu nutzen, u.a. auch, weil die passenden Applikationen und auch die Hardware noch nicht dort ist, wo sie hin muss.


Soweit mal zur Abklärung der ideologischen Fronten. Spitzer beschreibt in seinem Buch unter Heranziehung von Studienergebnissen die Prozesse, wie Kinder vom 1. bis zum 12. Lebensjahr lernen. Er macht das in sehr einfacher Sprache und mit guten Bildern, auch wenn manche davon (wuchernder Urwald zu Zeiten großer Urwaldbrände) vielleicht zu überdenken sind.


Was mir am Buch sehr gut gefallen hat sind einige Aussagen und Ideen dazu wie wir Bildung gestalten können. Beispielhaft nenne ich jetzt einmal, dass sich unsere Kinder viel mehr bewegen sollten, da Bewegung = Glück = Emotion = wichtige Komponente zum Lernen ist. Auch die von ihm angesprochnene Bildungshäuser 3-10 finde ich eine sehr interessante Idee, weil kleinere Kinder hier von größeren Kindern lernen können (und umgekehrt). Auch dass wir bei der Bildung unserer Kinder darauf achten sollten möglichst viele Sinne anzusprechen und den Spaß (eine positive Emotion) in den Vordergrund stellen sollten, finde ich absolut richtig.


Für mich persönlich habe ich auch einige Schulterklopfer mitgenommen: Kinder bis 2 oder 3 können mit digitalen Medien wie Lernvideos auf Youtube wenig bis gar nichts anfangen und verblöden eher als sie dadurch intelligenter werden. Meine Tochter hat in diesem Alter so etwas nicht zu sehen bekommen - zumindest nicht von mir. Vorlesen: So unendlich wichtig für die sprachliche Entwicklung. Unterricht in einer Zweitsprache/Fremdsprache idealerweise durch einen Native Speaker im Alltag (z.B. Au Pair) ermöglichen, Sprachunterricht ist erst ab ca. 6 Jahren sinnvoll. Temparament ist zu einem Großteil biologisch bestimmt und wenn es in einer Familie komplett unterschiedliche Kinder gibt ist das auch bei den gleichen Eltern einfach normal.


Was mir aber wirklich überhaupt nicht an "Wie Kinder denken lernen" gefallen hat sind die Rechtschreibfehler und Wortwiederholungen. Das finde ich einfach schade. Ein solches Buch wird gerade von einer Klientel gelesen, die auch hier einen hohen Anspruch an Korrektheit hat. Mir geht es nicht um Beistrichfehler oder Formulierungen, sondern um wirklich grobe Fehler, die alle paar Seiten mal vorkommen. Mein Wunsch wäre es, dass man das bei der nächsten Auflage korrigieren würde.


Das Buch ist aber trotz allem voll von wertvollen Informationen darüber wie die Gehirne unserer Kinder funktionieren und arbeiten und jeder wird sich für seine individuellen Bedürfnisse etwas Anderes herausnehmen. Rechtschreibfehler hin oder her.


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